Berlin, alte Hauptstadt neu entdeckt
Endlich sollte sich die Gelegenheit bieten: Eine Geschäftsreise in die preußischste aller Metropolen, in die neue alte Hauptstadt unseres Landes, eine Reise nach Berlin. Natürlich würde ich eine solche Chance, das neue Berlin zu entdecken, nicht ungenutzt verstreichen lassen. Und so quartierte ich mich kurzerhand bei einem Freund im Speckgürtel der Metropole für ein Wochenende ein. Nach meinen geschäftlichen Verpflichtungen versuchte ich mein Glück mit Autofahren in Berlin. Ich muss zugeben: es misslang! Die Berliner Autofahrer sind die absoluten Herrscher über das Chaos. Wenn man nur beschränkte Vorstellungen davon hat, wo man sich gerade befindet und wo man eigentlich hin will, ist man den Berliner Verkehrsplanern hilflos ausgeliefert. Ach was hätte ich darum gegeben, eines von den von mir so gehassten Navigationssystemen an Bord meines Dienstwagens zu haben. Aber es sollte nicht sein und so verfuhr ich mich ungefähr ein halbes Dutzend Mal, bis ich auf der richtigen Autobahn in der richtigen Richtung unterwegs war und auch die richtige Abfahrt zu meiner Wochenendherberge gefunden habe. Dank der Hilfe meines Freundes habe ich dort recht schnell herausgefunden, wo sich mein Zuhause für die nächsten zwei Tage genau befindet.

An diesem Abend ging es dann nur noch zu einem nahe gelegenen Italiener auf eine leckere Pizza. Gestresst vom geschäftlichen Teil meiner Berlinreise bin ich dann auch recht früh zu Bett gegangen.

Berlin, Hauptbahnhof Schlossbrücke - Nike richtet den verwundeten Krieger auf Das Mauermuseum Nähe Checkpoint Charlie

Am nächsten Tag sollte die Entdeckung von Berlin stattfinden. Klar, dass mein Auto da blieb, wo ich es am letzten Abend abgestellt hatte. Denn Blankenfelde, im Süden von Berlin, hat eine hervorragende Anbindung an die Berliner S-Bahn und man ist in einer guten halben Stunde am Potsdamer Platz, direkt in der Mitte Berlins. Und dorthin sollte die erste Entdeckungstour auch gehen. Natürlich haben wir uns erst mal in das Getümmel in den "Potsdamer Platz Arkaden" gestürzt, die verführerisch an den Ausgang des S-Bahnhofes "Potsdamer Platz" anschließen. Dort gibt es zahlreiche interessante Geschäfte. Und da ich die ganze Zeit von einem neuen Handy geschwärmt hatte, trug mich mein Schritt geradewegs in einen Vodafone-Shop, in dem es ganz viele von diesen Dingern gab. Nachdem dort ein Mobiltelefon erfolgreich einen neuen Besitzer gefunden hat, ging es dann weiter in Richtung Sony Center.

Berlin, U-Bahnhof Potsdamer Platz Eingang des Kaufhauses KaDeWe Reichstagsgebäude

Begeistert blieben wir vor einem Plakat des Imax-Kinos stehen. Diese Art Kino, mit atemberaubender, 5 Stockwerke hoher Leinwand, kannte ich bereits aus Bochum. Nun probierten wir das "Berliner Discovery Channel Imax" aus. Ähnlich wie in Bochum war dieses Kino an diesem Tag nicht sehr gut besucht und wir hatten hervorragende Plätze. Wir schauten uns den 3D-Film "Haunted Castle - Das Geisterschloss 3D" an. Die 3D-Effekte waren gigantisch. Noch ganz beeindruckt vom Film gingen wir zum Sony Center.

In Berlins Mitte, am Potsdamer Platz, ist mit dem Sony Center ein lebendiges städtisches Ensemble mit sieben Gebäuden entstanden. Das etwa 26.000 qm große Grundstück liegt in einem äußerst interessanten Umfeld und bietet Raum für eine Kombination aus Arbeiten, Wohnen und Unterhaltung. Wir ließen die gigantischen Bauten auf uns wirken und gingen einmal um das gesamte Areal herum. Firmen, wie die Deutsche Bahn AG oder Sony Deutschland haben hier ihren Sitz. Abseits von Ladenstraßen und Verkehrslärm ist dieser Teil Berlins aber noch recht vereinsamt. Mal sehen, wie sich dieses Viertel in den nächsten Jahren entwickelt.

Am späten Nachmittag fuhren wir mit der S-Bahn wieder zurück nach Blankenfelde, um genügend Kraft für den nächsten Tag zu schöpfen - immerhin stand dann auch meine Rückreise auf dem Plan. Und schließlich wartete ja auch mein neues Handy auf mich. Nach intensivem Studium der Bedienungsanleitung konnte ich es perfekt auf meine Bedürfnisse einrichten.

Die Sonne kitzelte meine Nase, als ich am nächsten Morgen recht früh erwachte. Es war Sonntag und nichts von der hektischen Betriebsamkeit meiner Ruhrgebietsheimat störte die absolute Ruhe. Ich zog mich an und fuhr mit dem Auto in Richtung Potsdam. Früher war ich mit meiner Uroma häufig zu Besuch bei Verwandten in Babelsberg. Und genau dorthin zog es mich an diesem frühen Sonntagmorgen. Auf den Straßen war noch nicht viel los und schnell war ich auch schon in Potsdam. Und nach Babelsberg fand ich auch schnell. Es hat sich dort einiges verändert, aber ich fand ganz schnell genau das Haus wieder, in dem ich als kleiner Junge im märkischen Sand direkt an der Straße gespielt habe. Kindheitserinnerungen wurden wach. Schnell schoss ich noch ein Foto und fuhr davon.
Alt Nowawes, 14482 Potsdam


Zum Schloss Sanssouci wollte ich. Bilder, Filme und Berichte haben mich schon immer neugierig gemacht. Als Kind war ich schon einmal dort, aber ich kann mich heute nur noch an die überdimensionalen Filzpantoffeln erinnern, die dort jeder Besucher tragen musste. Doch das ist schon über 25 Jahre her und heute interessierten mich eher die architektonischen Schönheiten des Schlosses. Es war ein perfekter Tag für dieses Ansinnen. Die Sonne schien, der Himmel war strahlend blau und ich stand um 9:45 Uhr vor dem Eingang zum Schlosspark. Nur einige Jogger kreuzten meinen Weg. Ansonsten war der riesige Park menschenleer. Je näher ich dem Schloss kam, umso idyllischer wurde der Park. Ich ließ mich von dieser faszinierenden Stimmung tragen, fotografierte einige der imposanten Statuen, die das Areal vor dem Portal umsäumten. Es war schon ein erhebendes Gefühl, was ich an diesem Ort empfand. Es war einfach alles perfekt. Langsam kamen die Besucher und so gegen 10:30 Uhr war dann ein merklicher Touristenstrom auszumachen. Langsam machte ich mich auf den Weg zurück nach Blankenfelde. Ich fuhr durch die Dörfer am Schwielowsee zurück zur Autobahn. Diese schöne Gegend werde ich in naher Zukunft bestimmt noch einmal besuchen.

Noch war ein sonniger Sonntagvormittag und wir beschlossen, mit der S-Bahn noch einmal nach Berlin zu fahren. Und da uns der Besuch im Imax am Vortag so gefallen hatte, gingen wir erneut in eine 3D-Vorstellung ("Space Station 3D"). Anschließend wartete ein weitere Highlight meines Berlin-Trips: das Brandenburger Tor. Nach fast 10 Jahren war dies mein erster Besuch dort. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich kurz vor der Wende, noch auf der anderen Seite stand und das Brandenburger Tor, umgeben von einer Mauer und bewacht von Grenzpolizisten, zum allerersten Mal gesehen habe. Zum Glück konnte ich heute das Ganze aus einer anderen Perspektive erleben.

Viele wartende Menschen versperrten uns den Blick zum Reichstag. Da wir uns nicht in die Schlange einreihen wollten, bestiegen wir kurzentschlossen einen roten Doppeldecker-Bus und machten damit eine Stadtrundfahrt. Bei dem schönen Wetter setzten wir uns auf das Oberdeck und genossen die Fahrt in luftiger Höhe. Diese führte uns durch das Diplomatenviertel, quer durch den Tiergarten, in Richtung Bahnhof Zoo. Wir fuhren den Kudamm entlang und querten mehrfach den Verlauf der Berliner Mauer. Im Osten fuhren wir vom Checkpoint Charlie bis zum Alexanderplatz, vorbei am völlig zerstörten Palast der Republik, an den ich wunderschöne Kindheitserinnerungen habe. Zurück ging es dann unter den Linden, vorbei an der Humboldt-Universität und der russischen Botschaft, zurück zum Brandenburger Tor.

Auf dem Rückweg in der S-Bahn nahm ich mir fest vor, die in den letzten zwei Tagen gesammelten Eindrücke zu intensivieren und nach und nach alle Orte, die wir in der kurzen Zeit nur streifen konnten, noch einmal in aller Ruhe zu erforschen.

Heute, knapp zwei Jahre nach diesem wunderschönen - aber leider viel zu kurzen - Berlin-Trip war ich bereits zwei Mal erneut in Berlin, um mir z.B. das Mauermuseum am Checkpoint Charlie, die Friedrichstraße und den Alexanderplatz mit dem Fernsehturm genauer anzusehen.

Bestimmt geht es auch in diesem Jahr noch einmal zurück nach Berlin auf Entdeckungstour.

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