In den Süden
Sonne, Strand und hohe Berge - Die Insel Kreta
Ein Hotel in Griechenland, im Süden der Insel Kreta - mitten drin im Mittelmeer; dorthin hat es meine Tante Regina verschlagen. Natürlich war ich sehr neugierig, wie sie in dem fremden Land zurechtkommt. Und so flog ich Anfang März 2004 nach Kreta und besuchte meine Tante in dem kleinen Dörfchen Agia Galini. Ich hatte mir 14 Tage Urlaub genommen, um das Hotel, den Ort und die Insel zu erforschen. Auf die Insel Kreta brachte mich die griechische Fluggesellschaft Aegean Air, die auch in der Nebensaison für recht günstige Tarife (ich zahlte damals 280 € für Hin- und Rückflug) nach Kreta fliegt. Von Düsseldorf flog ich zunächst nach Thessaloniki. Von dort ging´s dann direkt nach Heraklion im Norden von Kreta. Am Flughafen wurde ich bereits von meiner Mutter, die meiner Tante in den ersten Tagen nach dem Umzug kräftig mitgeholfen hat, herzlich in Empfang genommen. Wir fuhren dann über eine sehr kurvenreiche Strecke in den Süden der Insel. Leider war es bereits dunkel und man konnte nicht sehr viel von der Umgebung erkennen. Nach etwas über einer Stunde Fahrt kamen wir an unserem Ziel, dem kleinen Ort Agia Galini, an.


Am nächsten Morgen wurde ich durch das Rauschen des blau-violett schimmernden Meeres geweckt. Es war einfach herrlich. Mein Zimmer lag direkt zum Meer hinaus und ich konnte die Schiffe im Hafen beobachten. Nach einem besonders reichhaltigen Frühstück machte ich mich auf, um das Hotel und den Ort zu erkunden. Das Hotel "Galini Mare" ist ein mächtiger Betonklotz, der direkt an die Klippen oberhalb des Meeres gebaut wurde. Alle Häuser des Dorfes kleben irgendwie am Hang der umgebenden Berge. Bis zum Meer war es nur ein Katzensprung: Einfach die hinter dem Hotel liegende Straße nach unten laufen, und man war am Strand von Agia Galini. Leider fand ich dort nur eine Kieswüste vor. Während der Nebensaison war nichts, absolut nichts am Strand los. Der feine Kies, der sonst die Oberfläche des Strandes bedeckt, war auf riesige Haufen getürmt worden - wohl zum Schutz vor dem Abwandern ins Meer. Am Strand entlang kann man über eine Promenade bis zum Hafen des Ortes laufen. Dort liegen kleine Fischerbötchen und einige Segelboote. Eine riesige Kaimauer schützt die Schiffe vor der Kraft des Meeres. Vom Kai aus hat man einen super Ausblick auf Agia Galini und die mächtigen Gipfel des Ida-Gebirges. Dies alles ergibt ein sehr imposantes Bild.

In Agia Galini, früher ein Fischerdorf - heute ein bekannter Ferienort an der Südküste, ist in der Nebensaison nicht sehr viel los. Im März 2004, als ich dort war, hatten die meisten Läden geschlossen. In den Bars und Restaurants waren etliche Baustellen eingerichtet. An fast jeder Ecke wurde gebaut, ausgebessert oder gestrichen. Es gibt einige ganz gemütliche Tavernen und Bars. Wir haben am ersten Abend in der Taverne "Adonis" ein sehr leckeres und überdimensionales Bifteki gegessen - mein erstes original griechisches Gericht überhaupt. In Agia Galini habe ich auch einige Deutsche, wie Heinz Weiss aus der "Blue Bar" oder Katarina, die gemeinsam mit ihrem Mann ein Café betreibt, kennen gelernt. Der Ort ist recht übersichtlich und mit seinen kleinen Gassen und Treppen sehr idyllisch.

Am Wochenende, als die neue Hotelmannschaft mal etwas ausspannen konnte, haben wir uns mit dem Hotelbus aufgemacht, die nähere Umgebung von Agia Galini zu erkunden. Wir fuhren zunächst Richtung Timbaki und von dort weiter in Richtung Mires nach Festos. Nach dem Palast von Knossos ist Festos der zweitgrößte Palast Kretas. Erbaut um 1900 v.Chr., aber bereits 1700 v.Chr. durch ein Erdbeben zerstört. Der Sage nach soll die Stadt Festos von König Minos gegründet worden sein. Ihr Name geht auf einen Enkel von Herkules zurück. Das älteste hier gefundene Material datiert von ca. 3000 v.Chr. Man erhält auf alle Fälle einen beeindruckenden Einblick in die Zeit der minoischen Kultur. Festos liegt auf einem Hügel in der Massará-Ebene. Ein großartiger Panoramablick bietet sich von oben auf die weite Ebene und die steil ansteigenden Hänge des Ida-Gebirges. Mich faszinierten die prächtigen Orangenbäume, die unterhalb von Festos in Plantagen standen.

Von Festos fuhren wir weiter zur Basilika "Ayios Titos", heute ein beeindruckendes Ruinengelände inmitten von Olivenhainen, westlich von Ágii Déka. Dort befinden sich die Reste der römischen Inselhauptstadt Gortis und Sitz des Prätors von Creta-Cyrenaika. Der Apostel Paulus setzte hier Titus als Bischof ein, unter dem die Insel christianisiert wurde. Die eindrucksvolle Titus-Basilika (wahrscheinlich 6. Jh.) ist eines der bedeutendsten christlichen Baudenkmäler Kretas. Gortis wurde in griechischer Zeit durch seine fortschrittliche Gesetzgebung bekannt. Die Gesetzestexte aus 500 bis 450 v. Chr. sind in Stein gehauen, bestehen aus zwölf Kolumnen, sind 10m lang und 2m hoch und beinhalten ca. 17.000 Buchstaben.

Um von Gortis aus nach Rethymnon zu fahren, machten wir uns auf in die Berge. Serpentinen, Straßen, die aussahen wie Feldwege und enge Gassen in kleinen Bergdörfern. Diese Fahrt hatte alles zu bieten. Uns boten sich phantastische Blicke auf Sonne durchflutete Täler und schneebedeckte Gipfel der hohen Berge. Zur Mittagszeit machte sich Hunger breit. Wir hielten an einer Taverne in einem abgelegenen Bergdorf. Leider gab es nichts zu essen; aber die Atmosphäre war super: Die Männer saßen dort und tranken Kaffee oder Tee oder Raki. Wir fuhren nach einer kurzen Pause weiter und erreichten eine etwas abseits gelegene Taverne. Dort gab es endlich etwas zu Essen - und das reichlich. Gesättigt und ausgeruht fuhren wir weiter in Richtung Rethymnon.

Auf dem Weg hielten wir am Kloster "Arkadi", dem Nationalheiligtum der Kreter. Das Kloster wurde wahrscheinlich schon im 10./11. Jh. gegründet; die heutigen Gebäude stammen aus dem 17. Jh. Es spielte eine Rolle im 18. und 19. Jh. als Zentrum von Aufständen gegen die türkische Herrschaft. Ein wichtiges Datum ist der 8.11. 1866, als sich etwa 1000 Patrioten vor 15000 Türken im Kloster verschanzten. Nachdem keine Hoffnung mehr bestand, sprengte man das Pulvermagazin, wohin sich die meisten Menschen zurückgezogen hatten. Seither ist der 8. November Nationalfeiertag in Kreta. Leider wurde gerade recht viel im Kloster gebaut. Die Türme waren eingerüstet und gaben somit nicht sehr viel von der eigentlichen Pracht der Bauwerke preis.

Das Städtchen Rethymnon zählt zu den großen Attraktionen der Insel. Türkische, venezianische und kretische Kultur durchdringen einander. Die Häuser der Altstadt geben sich multikulturell mit steingefassten Portalen à la Venezia oder Holzerkern aus der Türkenzeit. Minarette überragen die Gassen. Wir tranken gemütlich einen Kaffee in einem der vielen Cafés. Auch ein leckeres Gyros "Pita" haben wir uns einverleibt. Uns beeindruckte auch der Anblick des venezianischen Hafens. Gleich nebenan lag eine Fähre zum Festland vor Anker und schluckte gerade eine Unmenge an Autos.

Von Rethymnon nahmen wir die "Schnellstraße" in Richtung Agia Galini. Wir kamen vorbei an Spili, die Stadt der Priesterschule, dem Spirituellen Zentrum Kretas. Entlang der mächtigen Berge des Ida-Massivs erreichten wir bei einbrechender Dunkelheit das "Galini Mare". Ein herrlicher Urlaubstag ging zu Ende.

In den nächsten Tagen machte ich mich erneut auf Entdeckungstour rund um Agia Galini. Ich besuchte den Friedhof mit seinen imposanten Grabstätten und der faszinierenden Kapelle. Am Strand ließ ich die Wellen des rauschenden Mittelmeeres auf mich wirken. Es war einfach nur toll. Am Freitag fuhren wir nach Timbaki, wo ein riesiger Markt abgehalten wurde. Geschäftig liefen die Menschen umher. Auch der Verkehr war recht beeindruckend. Ältere Damen - ganz in schwarz gehüllt - unterhielten sich mitten auf der Hauptverkehrsstraße; die Autos fuhren - oder auch nicht - bunt durcheinander. Der Markt selbst beeindruckte durch seine recht attraktiven Angebote. Neben Kleidung und Lebensmitteln gab es dort auch Heimwerkerbedarf und Elektronikartikel - also alles was man so benötigt.

Am nächsten Tag musste ich unbedingt noch einen kleinen Ausflug in Richtung Festos machen, um die Orangenbäume mit ihren knalligen Farben zu fotografieren. Heute frage ich mich, warum ich dort keine der prächtigen Früchte probiert habe. Auf dem Rückweg kamen wir am Ortseingang von Timbaki an einer schicken Kirche vorbei, die leider geschlossen war. Wir fuhren auf dem Weg nach Agia Galini kurz hinter Timbaki in Richtung Strand. Dort bot sich ein imposanter Blick - auch auf das in der Ferne blinkende Agia Galini. Die mächtige Kaimauer des Hafens, aufgetürmt aus großen Steinblöcken, verführte zum Klettern. Wir fuhren weiter und standen unvermittelt in einer Ziegenherde. Diese Tiere begegneten uns auf Kreta fast so oft, wie die Katzen. An einem sehr verlassen wirkenden Hotel fanden wir einen wirklich wunderschönen Aussichtspunkt, an dem Sonne, Meer und Felsen mit der im Frühjahr üppigen grünen Flora eine perfekte Mischung ergaben.

Während in den 14 Tagen meines Besuches in Agia Galini das Hotel durch die fleißigen Damen und Herren des Hauses immer mehr zum Schmuckstück mutierte, kam langsam der Zeitpunkt, an dem ich meine Koffer packen musste und mich auf den Weg nach Deutschland machen sollte. Aber einen Abend hatten wir noch - meinen Geburtstag. Ich feierte meinen 30.Geburtstag in einer wirklich klitzekleinen Taverne, in der außer uns keine weiteren Gäste mehr unterkamen. Diese Feier war die schönste, die ich in den letzten 30 Jahren erleben durfte.

Am Sonntag fuhren wir sehr früh nach Heraklion. Wieder über die im Dunkeln liegenden Berge. Mit der Aegean Air ging es um 7:00 Uhr von Heraklion nach Athen. Nach einem kleinen Shoppingaufenthalt im Duty Free Shop ging es weiter nach Thessaloniki, wo wir im Flugzeug sitzen bleiben konnten. Nach ca. 1 Stunde starteten wir in Richtung Düsseldorf, wo ich nach 14 Tagen Kreta-Urlaub wieder heil angekommen bin.

Kleiner Nachschlag
Im Oktober 2004 war ich für 3 Wochen zu Gast im Hotel "Galini Mare". Der Unterschied war enorm: Alles sehr schön dekoriert, Sonne pur, das Meer sehr warm. Eine Woche lang war ich nur schwimmen - zunächst direkt unterhalb des Hotels am Strand von Agia Galini, dann einige Tage in Kokinos Pirgos am großen Sandstrand (sehr empfehlenswert - nur 1 Station mit dem Bus für 1€). In der zweiten Woche habe ich mir einen Mietwagen genommen und habe die Insel auf eigene Faust erkundet - war in Rethymnon, Chania und Heraklion. Ein wirklich gelungener Urlaub.

Noch ein Nachschlag
Zum griechisch-orthodoxen Osterfest Anfang Mai 2005 durfte ich erneut zwei Wochen Urlaub im Hotel "Galini Mare" verbringen. Viele nette Gäste waren da. Die Straße, die hinter dem Hotel zum Strand führt, wurde gerade neu hergerichtet. Leider war das Wasser doch noch zu kalt zum schwimmen. Daher habe ich viele Ausflüge mit dem Mietwagen unternommen. So war ich diesmal endlich in Kalamafka. Dort ist die Insel so schmal, dass man das Meer im Norden und im Süden gleichzeitig sehen kann. Auch der wöchentlich stattfindende Markt in Mires war ein tolles Erlebnis.

Ein weiterer Nachschlag
Im Jahr 2006 bin ich erstmalig Ende Juni / Anfang Juli nach Kreta geflogen. In zweieinhalb Wochen habe ich viele neue Seiten der Insel kennen gelernt. Dabei muss ich zugeben, dass Kreta im Sommer eigentlich so gar nichts für mich ist: Ständig ist man auf der Suche nach Abkühlung. Das Meer ist recht warm, der Sand am Strand ziemlich heiß und im Auto hilft nur noch die Klimaanlage. Dazu weht an vielen Tagen ein recht warmer Wind vom Inland her. Dennoch waren wir mit viel Spaß auf Entdeckungstour quer über die Insel. Mein Reisetipp nach diesem Urlaub im Galini Mare: Die alte Straße von Agia Galini nach Rethymnon, über Apodoulou und Fourfouras quer durch die Berge.

Abschließende Bemerkung
Aus wirtschaftlichen Gründen mußte meine Tante das Hotel "Galini Mare" im Herbst 2009 leider schließen. Damit endet auch für mich das Abenteuer Kreta.

Zwischenzeitlich wurde das Hotel "Galini Mare" von Anke Almert neu eröffnet. Unter www.Hotel-Galini-Mare.de gibt es eine neue Webseite...
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"The Blue Bar" in Agia Galini
Hotel "Galini Mare" in Agia Galini




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