Ein Tor zur Welt
Rotterdam - Der größte Hafen der Welt und architektonische Highlights
Pünktlich um 8 Uhr ging es los: über die Autobahn A3 von Oberhausen nach Arnheim, von wo es über die A50/A15 direkt nach Rotterdam ging. Der Weg dorthin war prima ausgeschildert. Wir fuhren teilweise parallel zur Baustelle der 160 km langen Betuwe Eisenbahninie, die bis 2006 eine direkte Schienengüterverbindung von Rotterdam zum europäischen Hinterland bieten soll. Schon nach 2 Stunden befanden wir uns mitten in Rotterdam, der zweitgrößte Stadt der Niederlande. Die Stadt besitzt seit über 30 Jahren den größten Hafen der Welt. Rund 590.000 Einwohner leben in Rotterdam - im gesamten Ballungsgebiet etwa 1,08 Millionen Einwohner.

Rotterdam verdankt seinen Namen einem winzigen, in die Nieuwe Maas mündenden Flüsschen: der "Rotte". Die geschützt, hinter einem Damm gelegene mittelalterliche Siedlung wurde 1340 zur Stadt, wuchs und blühte, bis 1563 alles in Flammen aufging. Neu aufgebaut, wurde Rotterdam im 17. Jahrhundert nach Amsterdam zum zweitgrößten Handelshafen. Als jedoch die Handelsschiffe immer größer wurden und Maas und Hafen versandeten, blieben die Frachtensegler aus. Erst als die Stadt 1872 über den Nieuwe Waterweg zwischen der Stadt und Hoek van Holland einen neuen, verbesserten Anschluss zum Meer bekam, ging es wieder bergauf. Dabei erwies sich die Verbindung über den Rhein zu den entstehenden Industrierevieren an Ruhr und Main als besonders segensreich.

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Rotterdam wurde im 2. Weltkrieg stark zerstört. Der 14. Mai 1940 wurde zum schwärzesten Tag der neueren Geschichte: Während der Verhandlungen zur Übergabe der Stadt an die vorrückende deutsche Wehrmacht bombardierten deutsche Flieger die Stadt und legten das Zentrum in wenigen Minuten in Schutt und Asche. Ossip Zadkines beeindruckende Bronzeskulptur "Die verwüstete Stadt" am Plein 1940 erinnert daran.

Da wir uns nicht sehr gut auf diesen Städtetrip vorbereiten konnten, wußten wir nun überhaupt nicht, was uns in dieser Stadt erwartet. So parkten wir (für 1,50€ pro 45 Minuten) in einem Parkhaus ("Westblaak") im Zentrum der Stadt.

Beim Verlassen des Parkhauses fanden wir gleich einen Stadtplan und orientierten uns ein wenig. Unser erster Weg führte uns direkt an die Maas. Dort befindet sich ein kleiner Museumshafen. Hier liegen historische Schiffe vor Anker, die besichtigt werden können. Wir durchquerten den Museumshafen recht schnell und fanden uns in einer abgelegenen Seitenstraße wieder. Von dort gingen wir entlang des Maasboulevard in Richtung der weithin sichtbaren "Erasmusbrücke" - benannt nach Erasmus von Rotterdam (auch Erasmus Desiderius, geboren 1466 oder 1469 in Rotterdam, niederländischer Theologe und Gelehrter, einer der bedeutendsten Humanisten). Die strahlend weiße, asymmetrisch gebaute Brücke ist seit 1996 das neue Wahrzeichen der Stadt.

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Unterhalb der Brücke sahen wir bereits einige Ausflugsschiffe auf der Maas. Uns war auf einmal nach einer Schiffsrundfahrt. So gingen wir an den Anleger von "Spido", wo das Rundfahrtschiff "Marco Polo" bereits auf uns wartetete. Noch schnell ein Ticket für die 75 Minuten dauernde Rundfahrt gekauft (8,20€ pro Erwachsenen) und schnell an Bord. Wir nahmen auf dem Oberdeck platz und genossen die Aussicht. Zunächst ging es unter der "Erasmusbrücke" hinweg zum Wenden. Dann immer am rechten Ufer entlang, über den Maas-Tunnel am "EuroMast" hinweg, in Richtung Schiedam. Vom Stadtzentrum Rotterdams über Schiedam, Vlaardingen und Hoek van Holland bis zur Nordsee erstreckt sich auf etwa 40 Kilometer Länge und rund elf Quadrat-Kilometer Fläche das größte Hafengelände der Welt. Mehrere hundert Millionen Tonnen Waren aus etwa 30.000 Containerschiffen werden hier jährlich umgeschlagen. Von allen auf dem Seeweg beförderten Gütern, die in der EU geladen oder gelöscht werden, passieren über 30 Prozent Rotterdam.

Neben dem Hafen konnten wir Werften, Docks und Kais aus der Nähe betrachten und die wunderbare Architektur Rotterdamms genießen. Die Skyline der Stadt wird von imposanten Hochhäusern und markanten Brücken geprägt. Nicht umsonst spricht man von »Maashattan« - dem »Manhattan an der Maas«. Bekannte Architekten, unter ihnen der Erbauer des neuen Reichstages Sir Norman Forster, lassen die Stadt am Fluss "Neue Maas" wie ein Open-Air-Museum für Baukunst erscheinen. Besondest spektakulär ist der am südlichen Maasufer, gleich hinter der Erasmusbrücke befindliche, "Toren op Zuid", ein Bürohochhaus der KPN Telecom. Seine Fassade ist schräg nach vorn geneigt und das ganze Bauwerk scheint jeden Moment umzukippen.

Nach der beeindruckenden Rundfahrt nahem wir uns Zeit für einen Kaffee in einem Jazz-Club direkt neben der "Erasmusbrücke". Dann liefen wir wieder in Richtung Parkhaus. Dabei passierten wir den Europäischen "Walk of Fame Starboulevard" vor dem Museumshafen. Dort sind z.B. Shania Twain, Bryan Adams, Mark Knopfler, Tina Turner oder Joe Cocker mit Hand- und Fußabdrücken vertreten.

Nun waren wir schon ziemlich hungrig - es war mittlerweile 14:00 Uhr. Wir suchten uns ein gemütliches Restaurant in der Nähe des Parkhauses. Nach dem Essen starteten wir einen kleinen Bummel durch Rotterdamms Einkaufszone. Viele kleine Cafés und Klamottenläden wechselten einander ab. Es gab nichts wirklich Herausragendes. Auch die Preise waren nicht wirklich günstig.

Da wir an diesem Tag noch etwas erleben wollten, haben wir uns mit dem Auto aufgemacht, um den Euromast am Parkhaven zu besuchen. Dieser 185 Meter hohe Turm ist eines der Wahrzeichen von Rotterdam. Der Euromast ist damit das höchste Bauwerk der Niederlande. Errichtet wurde der Euromast im Jahre 1960 anläßlich einer internationalen Gartenbauausstellung (der "Floriade"). Um die notwendige Stabilität zu erreichen, wurde der Schwerpunkt des Turmes unter die Erde gelegt. Dort befindet sich im Fundament ein Stahlbetonblock mit einer Masse von 1.900 Tonnen. Im sogenannten "Krähennest" in etwa 100 Metern Höhe befinden sich ein Restaurant und eine Aussichtsplattform. Die ursprünglich Höhe des Euromastes betrug 104 Meter. In den 60er Jahren wuchsen um den Turm herum aber immer höhere Häuser, so daß man im Jahre 1970 beschloß, den Euromast weiter zu erhöhen. Mit dem Aufbau des sogenannten "Space-Towers" wurde er somit auf seine heutige Höhe gebracht. Der Besuch der Aussichtsplattform kostet 7,75€. Von dort oben hatten wir eine prächtige Aussicht über Rotterdam: die Stadt lag uns zu Füßen und Wir konnten die am Vormittag besuchten Häfen von oben betrachten. Auch die große "Erasmusbrücke" war nun aus einer geeigneten Perspektive zu sehen. Lustig war es auch, die Autos zu beabachten, wie sie bei der Einfahrt in den am Fuß des Euromast beginnenden Maastunnels "verschluckt" wurden. Auch wir fuhren dann auf der Rückfahrt in den Maastunnel ein und verließen damit nach rund 7 Stunden angenehmen Aufenthalt die Stadt Rotterdam.

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